Ok, ich bin also in dieser Rosazea Gruppe bei FB und da wurde auf einen Beitrag in einem NR Magazin zum Thema aufmerksam gemacht und darin ging es um eine Verbesserung der Rosazea durch Ernährungsumstellung und ganz viele Frauen in der Gruppe (in der Gruppe sind zu 99% Frauen, weil Frauen sich in der Regel wegen ihres Äußeren viel verrückter machen als Männer) beschlossen ihre Ernährung umzustellen. So auch ich.
Und da ich nach der Geburt meines Jüngsten, vor fast vier Jahren, immer noch ein paar Kilo "zu viel" auf den Rippen hatte und mir mittlerweile keine meiner Hosen mehr bequem passte, dachte ich mir, lass ich die ungesunden Kohlenhydrate doch gleich auch weg. Hab ich schon mal gemacht, hat funktioniert. Also auch keine Nudeln, kein Brot und kein Reis mehr. Am Anfang etwas ungewohnt, aber für mich einfacher als Kalorienzählen und hungern.
Ich esse also seit Februar ohne "Beilagen", viel Gemüse, Salat, Käse und auch Fleisch. Und es läuft.
Angefangen habe ich mit 66,8 kg bei einer Körpergröße von 1,60m. Jetzt, nach knapp drei Monaten sind es noch 60,9 kg. Das bedeutet, ich habe fast 6 Kilo abgenommen, ohne zu hungern oder mich irgendwie zu stressen.
Klar, so werde ich mich nicht für immer ernähren, mittlerweile esse ich schon wieder Beeren und bald werden wieder Nudeln und Reis dazu kommen aber, zumindest meistens, in der gesünderen Vollkornvariante.
Worauf ich eigentlich hinauswollte: Ich habe mich wirklich seit Tagen drauf gefreut über meinen Erfolg bei der Gedichtsreduktion zu berichten und dann war ich gestern mit meiner Schwester in "Embrace", einem Film darüber, wie Frauen auf der ganzen Welt mit ihrem Körper hadern, weil ihnen unrealistische Standards vorgesetzt werden und diese von uns so verinnerlicht werden, dass wir eigentlich nie zufrieden sein können:
Natürlich freue ich mich weiterhin über meinen Speckverlust (ich habe nämlich fast ausschließlich am Bauch abgenommen), aber der Film regt zum Weiterdenken an. Ich war vorher nicht unglücklich, aber mit meinem Bauch doch auch nicht glücklich und wie die meisten Frauen gibt es ein paar Dinge an mir, die ich sofort ändern würde, wenn es mit einem Fingerschnipp ginge, z.B. meine Körperbehaarung, die jetzt nicht exorbitant ist, aber halt doch lästig. Und an meiner Körperbehaarung sehe ich auch, dass ich das alles eben nicht für mich tue, denn im Winter rasiere ich mir nie die Beine (die meisten meiner Freundinnen übrigens auch nicht 😊), sieht ja keiner. Und das Witzigste: Mein Mann findet unrasierte Beine bei Frauen nicht gerade schön, um es einmal vorsichtig auszudrücken, aber, dass ich ca. 6 Monate im Jahr meine Beine nicht rasiere, ist ihm noch nicht aufgefallen. Den Männern meiner Freundinnen übrigens auch nicht. Also, für wen mach ich das? Woher kommt der Druck? Ist es Druck?
Ein einschneidendes Erlebnis hatte ich Anfang der 90er mit ca. 18. Ich war in der Oberstufe und saß mit kurzen Hosen auf dem Schulhof. Meine Beine waren eher unrasiert, weil ich das damals auch noch nicht so internalisiert hatte, wie was sein "muss". Ja, und da sitzt dieser Typ aus der Parallelklasse neben mir und sagt: "Du musst dir auch mal wieder die Beine rasieren!" Was für eine Unverschämtheit. Leider ist mir damals kein guter Spruch eingefallen und ich hab mich einfach nur geschämt. Heute würde ich ihn fertigmachen!
Ok, was ich sagen will: "Es lohnt sich über Frauen- und Körperbilder nachzudenken. Der Film "Embrace" ist ein guter Einstieg.
Zum Weiterlesen empfehle ich euch "Living Dolls" von Natasha Walter. Eins sehr unterhaltsames Buch über Stereotype, gesellschaftliche Zwänge und die Sexualisierung schon kleiner Mädchen.
So, wie bekomme ich meine Diät und das "meinen Körper umarmen" jetzt wieder zusammen? Für mich hat der Gewichtsverlust einen sehr, sehr positiven "Nebeneffekt". Ich hasse Shoppen und trage meine Kleidung in der Regel, bis sie auseinanderfällt. Und ohne Ernährungsumstellung hätte ich über kurz oder lang machen viele neue Sachen gebraucht. Klamotten tausche ich entweder (Kleiderkreisel oder Klamottentauschparty) oder nähe sie. Das Einzige was ich immer kaufe sind Unterhosen, BHs und Socken. Aber mit Tauschen wirds schwierig, wenn man wirklich alles neu braucht um nicht wie eine Wurst auszusehen....
So, und nun muss ich nichts neu kaufen. Ich kann wieder die Jeans tragen, die mir das letzte Mal vor 5 Jahren gepasst haben, sehr geil! Und ich fühle mich fitter und habe nicht mehr so häufig Rückenschmerzen. UND: Meine Haut ist viel besser! Pickel habe ich gar keine mehr und die Rötung ist, außer wenn ich Alkohol getrunken habe, auch nicht mehr so stark!
So, und jetzt gibts (weil ich es schon gerne zeigen möchte) noch völlig inadequate Bilder für euch. Das Vorher-Bild ist von einem Kalender abfotografiert, weil es tatsächlich kein einziges "Körperbild" aus dem letzten Jahr von mir gibt, das Nachher-Bild hab ich gerade schnell in Jogginghose (mein Lieblingskleidungsstück und geerbt von meinem Ältesten) selbst gemacht.
So, das war glaube ich mein längster Beitrag ever. Und ich bin mir auch seiner Widersprüchlichkeit bewust, deshalb bin sehr gespannt auf eure Meinung!

