Freitag, 12. Mai 2017

Embrace und mein Gewichtsverlust

Auf diesen Blogpost freue ich mich schon seit Monaten. Genauer gesagt seit dem 15. Februar, denn seitdem lebe ich zuckerfrei. Aber so richtig! Auch ohne Obst und süßes Gemüse, also ohne Karotten, Mais und Kartoffeln. Ursprünglich ging es dabei um meine Haut, denn ich leider seit vielen Jahren an Rosazea, d.h. ich habe ständig rote Backen und oft, wenn ich einen Schub habe, kleine entzündete Pickel. Ohne Makeup raus? Ne!
Ok, ich bin also in dieser Rosazea Gruppe bei FB und da wurde auf einen Beitrag in einem NR Magazin zum Thema aufmerksam gemacht und darin ging es um eine Verbesserung der Rosazea durch Ernährungsumstellung und ganz viele Frauen in der Gruppe (in der Gruppe sind zu 99% Frauen, weil Frauen sich in der Regel wegen ihres Äußeren viel verrückter machen als Männer) beschlossen ihre Ernährung umzustellen. So auch ich.
Und da ich nach der Geburt meines Jüngsten, vor fast vier Jahren, immer noch ein paar Kilo "zu viel" auf den Rippen hatte und mir mittlerweile keine meiner Hosen mehr bequem passte, dachte ich mir, lass ich die ungesunden Kohlenhydrate doch gleich auch weg. Hab ich schon mal gemacht, hat funktioniert. Also auch keine Nudeln, kein Brot und kein Reis mehr. Am Anfang etwas ungewohnt, aber für mich einfacher als Kalorienzählen und hungern.
Ich esse also seit Februar ohne "Beilagen", viel Gemüse, Salat, Käse und auch Fleisch. Und es läuft.
Angefangen habe ich mit 66,8 kg bei einer Körpergröße von 1,60m. Jetzt, nach knapp drei Monaten sind es noch 60,9 kg. Das bedeutet, ich habe fast 6 Kilo abgenommen, ohne zu hungern oder mich irgendwie zu stressen.
Klar, so werde ich mich nicht für immer ernähren, mittlerweile esse ich schon wieder Beeren und bald werden wieder Nudeln und Reis dazu kommen aber, zumindest meistens, in der gesünderen Vollkornvariante.
Worauf ich eigentlich hinauswollte: Ich habe mich wirklich seit Tagen drauf gefreut über meinen Erfolg bei der Gedichtsreduktion zu berichten und dann war ich gestern mit meiner Schwester in "Embrace", einem Film darüber, wie Frauen auf der ganzen Welt mit ihrem Körper hadern, weil ihnen unrealistische Standards vorgesetzt werden und diese von uns so verinnerlicht werden, dass wir eigentlich nie zufrieden sein können:


Natürlich freue ich mich weiterhin über meinen Speckverlust (ich habe nämlich fast ausschließlich am Bauch abgenommen), aber der Film regt zum Weiterdenken an. Ich war vorher nicht unglücklich, aber mit meinem Bauch doch auch nicht glücklich und wie die meisten Frauen gibt es ein paar Dinge an mir, die ich sofort ändern würde, wenn es mit einem Fingerschnipp ginge, z.B. meine Körperbehaarung, die jetzt nicht exorbitant ist, aber halt doch lästig. Und an meiner Körperbehaarung sehe ich auch, dass ich das alles eben nicht für mich tue, denn im Winter rasiere ich mir nie die Beine (die meisten meiner Freundinnen übrigens auch nicht 😊), sieht ja keiner. Und das Witzigste: Mein Mann findet unrasierte Beine bei Frauen nicht gerade schön, um es einmal vorsichtig auszudrücken, aber, dass ich ca. 6 Monate im Jahr meine Beine nicht rasiere, ist ihm noch nicht aufgefallen. Den Männern meiner Freundinnen übrigens auch nicht. Also, für wen mach ich das? Woher kommt der Druck? Ist es Druck?
Ein einschneidendes Erlebnis hatte ich Anfang der 90er mit ca. 18. Ich war in der Oberstufe und saß mit kurzen Hosen auf dem Schulhof. Meine Beine waren eher unrasiert, weil ich das damals auch noch nicht so internalisiert hatte, wie was sein "muss". Ja, und da sitzt dieser Typ aus der Parallelklasse neben mir und sagt: "Du musst dir auch mal wieder die Beine rasieren!" Was für eine Unverschämtheit. Leider ist mir damals kein guter Spruch eingefallen und ich hab mich einfach nur geschämt. Heute würde ich ihn fertigmachen!
Ok, was ich sagen will: "Es lohnt sich über Frauen- und Körperbilder nachzudenken. Der Film "Embrace" ist ein guter Einstieg.
Zum Weiterlesen empfehle ich euch "Living Dolls" von Natasha Walter. Eins sehr unterhaltsames Buch über Stereotype, gesellschaftliche Zwänge und die Sexualisierung schon kleiner Mädchen.

So, wie bekomme ich meine Diät und das "meinen Körper umarmen" jetzt wieder zusammen? Für mich hat der Gewichtsverlust einen sehr, sehr positiven "Nebeneffekt". Ich hasse Shoppen und trage meine Kleidung in der Regel, bis sie auseinanderfällt. Und ohne Ernährungsumstellung hätte ich über kurz oder lang machen viele neue Sachen gebraucht. Klamotten tausche ich entweder (Kleiderkreisel oder Klamottentauschparty) oder nähe sie. Das Einzige was ich immer kaufe sind Unterhosen, BHs und Socken. Aber mit Tauschen wirds schwierig, wenn man wirklich alles neu braucht um nicht wie eine Wurst auszusehen....
So, und nun muss ich nichts neu kaufen. Ich kann wieder die Jeans tragen, die mir das letzte Mal vor 5 Jahren gepasst haben, sehr geil! Und ich fühle mich fitter und habe nicht mehr so häufig Rückenschmerzen. UND: Meine Haut ist viel besser! Pickel habe ich gar keine mehr und die Rötung ist, außer wenn ich Alkohol getrunken habe, auch nicht mehr so stark!

So, und jetzt gibts (weil ich es schon gerne zeigen möchte) noch völlig inadequate Bilder für euch. Das Vorher-Bild ist von einem Kalender abfotografiert, weil es tatsächlich kein einziges "Körperbild" aus dem letzten Jahr von mir gibt, das Nachher-Bild hab ich gerade schnell in Jogginghose (mein Lieblingskleidungsstück und geerbt von meinem Ältesten) selbst gemacht.

















So, das war glaube ich mein längster Beitrag ever. Und ich bin mir auch seiner Widersprüchlichkeit bewust, deshalb bin sehr gespannt auf eure Meinung!



Kommentare :

  1. neee, ich finde das nicht widersprüchlich. Danke, daß du das geteilt hast. Ich finde, wenn wir fett sein wollen, sollten wir fett sein und wenn wir abnehmen wollen, dann nehmen wir ab. Das ist Entscheidungsfreiheit. Punkt. Toll, wie du das schaffst! LG Silvia von secondhousegreen

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  2. Hallo Katha,
    ein sehr interessantes Thema.
    Mir geht es mit den rasierten Beinen genauso. Ist lästig und wird nur in der warmen Jahreszeit gemacht, wenn andere die nackten Beine sehen.
    Und es gibt natürlich auch Stellen, die ich gerne ändern würde. Da hilft es auch nicht wirklich, dass man andere Menschen trotz kleinerer Makel als schön empfindet. Bei sich selbst will man irgendwie immer 100 %. Totaler Quatsch, das muss man sich immer wieder sagen.
    Ich finde es toll, dass du abgenommen hast, weil du es für dich gemacht hast und es dir damit besser geht.
    Lieben Gruß
    Marietta

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  3. Hallo Katha,
    ich finde es wahnsinnig toll das du komplett auf Zucker verzichten kannst/konntest...ich hätte da so meine Schwierigkeiten. Vor allem auf Obst ect. zu verzichten würde mir wahnsinnig schwer fallen.
    Ich glaube gerade wir Frauen verlangen oft von uns perfekt zu sein...und sehen dabei manchmal nicht das einfach nur normal auch reichen würde...das fängt bei den Kindern an und endet bei den Häärchen. Bewußte Auszeiten und mal drüber nachdenken ob es so sein muss nur weil es sich irgendwann mal so eingeschlichen hat, hilft da manchmal schon. :)

    Hast du eigentlich meine Mail bekommen?

    Viele liebe Grüße die Nähbegeisterte

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  4. DAS war mal ein post.....CHAPEAU!!!!
    Annette

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  5. Ein interessanter Post und ja in der Tat ein bisschen widersprüchlich, aber sehr aufrichtig. Was aber stimmig ist, dass DU dich so wie du bist wohlfüllen musst. Ich gehöre ja zu den wirklich dicken Exemplaren und auch wenn ich gern ein bisschen weniger hätte, so wäre ich immer noch dick. Aber ich bewege mich im Alltag viel, hänge beim Wandern, Radeln etc. viele Sportler ab und die Puste geht mir auch nicht so schnell aus. Meistens fühle ich mich auch in meinem Körper trotzdem wohl und ich versuche den Kindern und Jugendlichen mit denen ich ständig zu tun habe das auch als Normalität vorzuleben, mache jede - auch körperliche sportliche Auseinandersetzung mit. Schon öfters habe ich von Eltern oder Schülern gehört, dass ihnen das hilft das Menschen ihnen vorleben das man sich damit normal fühlen kann. Viel mehr kämpfe auch ich mit einem großen Problem, das hauptsächlich sichtbar meine Haut betrifft ... damit immer selbstverständlcih umzugehen fällt mir schwer. Komisch reagieren tun aber meist nur Erwachsene - für die Kinder ist das normaler, komischerweise sogar in der Pubertät, aber die finden sie die Klamotten oder die Brille oder die Tasche etc. genauso uncool :-). Ich wünsch dir viel Freude beim DU-Sein. LG Ingrid

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  6. Hey Katha,
    hat sich denn deine Haut dadurch nun eigentlich auch gebessert? Falls nicht könntest du auch mal Hyaluronsäure versuchen ( Infos dazu hier: vitaminexpress.org/hyalon ) - hat bei mir super geholfen. So eine Ernährungsumstellung ohne Zucker wollte ich auch schon lang mal versuchen und werde wohl demnächst starten, dein Beitrag macht Mut! Mache es weniger wegen dem Abnehmen als wegen der positiven Effekte von denen man sonst so hört..soll ja wirklich großartig sein für den Körper! Freue mich für dich,dass es bei dir so gut klappt!
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

    Melli

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