Montag, 7. Oktober 2013

Väter in Elternzeit oder: Mein Mann muss ran!



Seit ich wusste, dass ich mit Fritz schwanger bin, war für mich klar, dass ich bei diesem Kind nicht die komplette Elternzeit zu Hause bleiben würde, sondern, dass diesmal der Mann ran muss.
Bei meinem Großen war ich noch im Studium und da der Kindsvater mal hier mal da jobbte, war die Kinderbetreuung kein Thema zwischen uns, konnte ich doch recht schnell wieder das eine oder andere Seminar besuchen. Faktisch hing die Kinderbetreuung aber - bis auf diese wenigen Stunden in der Woche -komplett an mir.
Bei Johnny arbeitete ich als freiberufliche Mediengestalterin von Zuhause aus, mein Mann hatte sein Studium gerade abgeschlossen und begann kurz vor der Geburt Vollzeit zu arbeiten. Klar, ich kümmerte mich ums Kind und wenn er schlief, arbeitete ich. Das war nicht befriedigend und nach drei Monaten, legte mein Mann seinen Dienst so, dass ich jeden Montag "frei" hatte und außer Haus arbeiten gehen konnte. Ohne Diskussion ging das nicht, musste doch der Mann an seinem freien Tag das Kind betreuen, aber ich bestand darauf. Nach einem Jahr kam Johnny in die Kita und ich konnte wieder loslegen.

Heute ist die Situation eine andere. Ich habe noch einmal studiert und einen Job gefunden, der mir richtig Spaß macht: Die Arbeit erfüllt mich, ich habe tolle Kolleginnen und ich verdiene endlich mal mehr als in einem Aushilfsjob. Und damit das so bleibt, muss ich natürlich dranbleiben.

Also, diesmal fast 50/50. Ich bleibe noch bis Ende Dezember Zuhause, dann wird meine Mann von Januar bis Juni Fritz Zuhause betreuen, mit ihm in den PEKIP-Kurs gehen, Johnny jeden Tag in die Kita bringen (als wir noch beide arbeiteten haben wir uns das geteilt) und den Haushalt größtenteils schmeißen.
Das alles stand zwar ziemlich früh fest, heißt aber nicht, dass wir darüber nicht mehr diskutieren. Und nicht nur wir. Die meisten die davon hören (vor allem die Frauen) finden es gut. Erfrischend finde ich, dass eigentlich nur wenige Frauen sagen, wie toll sie das von meinem Mann finden, dass der das "mitmacht" und "Bei meinem Mann wäre das aber nicht möglich (gewesen). In seinem Job blablabla...."
Viele Freundinnen oder Bekannte sagen dazu meist nur: "So muss es sein!". Und so ist es auch! Wer Kinder hat, muss sich auch drum kümmern. Und das sollte selbstverständlich sein. Männer sollten sich genauso zuständig fühlen und es sein, wie die Mütter.
Wie schwer es die "betroffenen" Männer haben, hab ich schon zu genüge gehört oder vielmehr, wie schwer sie es hätten, wenn sie denn in Elternzeit gegangen wären oder gehen würden. Ja, klar. Und Frauen haben natürlich keine Nachteile, wenn sie den Job für mindestens 1 Jahr unterbrechen und danach in Teilzeit wieder anfangen?

aufZehenspitzen sagt dazu: "Ich bemühe mich wirklich, eure Probleme zu verstehen, liebe (verhinderte) neue Väter. Aber wenn ich ehrlich bin, außerhalb meines privaten Umfelds, scheren sie mich einen Dreck. Denn ihr lebt eure Ängste auf den Rücken der (eurer) Frauen aus. Ihr drückt euch, wovor Frauen sich nicht drücken können. Ich will eure blöden “ich bin gefangen im Rollenbild”-Ausreden nicht mehr hören. Und auch nichts von Männlichkeitsverlustängsten. Oder, dass der Job dann drunter leidet oder eben die Finanzen. Woohoo! Denkt ihr, das ist neu für Frauen, die Mütter sind oder werden wollen? Merkt ihr nicht, dass ihr eine Wahl habt und wir noch immer nicht?
(...)
All diese Probleme, die junge Väter beschäftigen, die Identitätssuche, die Ängste, der Gegenwind, all diese Probleme entsprechen meinen Problemen als Frau und Mutter zutiefst. Vermutlich kränkt es mich, dass der Kampf dieser männlichen Minderheit um so viel positiver quittiert wird, als jener von Frauen. Mich ärgert auch, dass bei Müttern immer nur die Rede ist von der “Karriere”, die mit der Familie zu vereinbaren sei. Bei Männern ist es grundsätzlich kompliziert. Das Thema Kind und Karriere ist ein wichtiges, aber doch nicht der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion. Denn damit wird die Mehrheit der Frauen von vornherein ausgeschlossen. Es muss auch um die Frauen in Niedriglohnberufen und um Frauen in anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen gehen. Um Frauen mit Jobs eben." 

Und obwohl mein Mann sich auf die kommende Elternzeit und die damit verbundenen neuen Erfahrungen & Möglichkeiten freut, hat er doch neulich tatsächlich gesagt, er hätte ja keine Wahl, er müsse die Elternzeit nehmen, meinetwegen. Um ehrlich zu sein, ich hatte auch keine Wahl, aber die Elternzeit nehmen ich  - wegen Fritz.


Zum Weiterlesen:

aufZehenspitzen: Neue Väter. Ein Perspektivenwechsel
Jochen Königs: 50/50 bedeutet nicht die Auflösung aller Ungerechtigkeiten:






Kommentare :

  1. Ganz recht, Katharina.
    Mir sträuben sich ebenfalls die Nackenhaare, wenn ich lese, dass manche Frau froh ist, wenn der "Mann mit hilft".
    Hä?
    Als Hausbewohner hilft er nicht mit, ist nicht mein Befehlsempfänger, sondern leistet völlig eigenständig seinen Anteil am gemeinsamen Haushalt.

    Beste Grüße
    edda.

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  2. Hallo Katha!

    Ich find's schön, dass ihr euch die Zeit teilt. Mein Mann ist die ersten Monate mit Bibilein und mir zusammen Zuhause geblieben. Die restliche Elternzeit wollte ich gerne alleine nehmen und er war damit einverstanden.

    Heutzutage sollte es normal sein, dass beide Elternteile sich gleichermaßen in die Erziehung etc. einbringen. Schade, dass es noch nicht soweit ist.

    Ich bin froh, dass ich einen Mann gefunden habe, für den es selbstverständlich ist, dass alle Aufgaben aufgeteilt werden :) Und ich freue mich, dass du anscheinend auch dieses Glück hast!

    Liebe Grüße, Kati

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  3. Bei meiner großen Tochter (11/07) haben wir das auch so gemacht, ich war ein halbes Jahr zu Hause, er war ein halbes Jahr zu Hause. Das war irgendwie von Anfang an klar bei uns, ich liebe meinen Beruf, ich verdiene auch mehr als er (damals), und er wollte auch Zeit mit der Kleinen verbringen, mit allem, was dazugehört. Die häufigste Reaktion, die wir damals auf unseren Plan bekommen haben, war: "Oh, was arbeitest du denn, dass du so bald wieder anfangen musst?" MUSST. Es ist niemand davon ausgegangen, dass ich so bald wieder arbeiten WOLLTE ...

    Bei der Kleinen (04/11) bin ich dann ein ganzes Jahr zu Hause geblieben, weil mein Mann sich in den Zwischenzeit selbständig gemacht hatte und nicht so einfach eine länger Zeit komplett aussteigen konnte. Aber auch, weil ich das so wollte. Ich hab (im Gegensatz zum ersten Mal) dann auch reduziert und arbeite mittlerweile (seit dem 1. Geburtstag der Kleinen) 70%. Während ich arbeite, sind die Kinder im Kindergarten und es gibt bei jedem Großelternpaar einen Oma-Opa-Nachmittag pro Woche. Den Rest der Zeit zwischen Kindergartenschluss und Mama-Feierabend überbrückt natürlich mein Mann. Keine Frage. Wir sind ja beide Eltern. Trotzdem hör ich auch immer wieder, wie toll es ist, dass er das "mitmacht". Naja. Er hat ja auch die Kinder mitgemacht *gg* Ich genieße unsere Familie sehr und ich glaube, wir haben mehr Familienzeit als die Klassische "Ein-Betreuer-zu-Hause"-Familie. Ich wünsche euch, dass ihr das auch so genießen könnt!
    GLG, Luci

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  4. Hallo
    ich hab bei meinem letzten Kind die ganze Elternzeit an meinen Mann abgegeben...und ich muss sagen: es war für mich ne Qual. Ich habe mich so oft nach meinem Baby gesehnt. Ich würde es nie mehr so machen :-( leider ging es bei uns aus finanziellen Gründen nicht anders....

    Ich drücke dir die Daumen dass es die gut damit geht und du zufrieden Job und Familie vereinbaren kannst!

    lg luise

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    1. Wenn ich wieder arbeite ist Anton ja schon 7 Monate alt, ich konnte ihn also schon ein wenig genießen. Ich arbeite dann zwar auch wieder Vollzeit, allerdings kann ich mir meine Zeit selber einteilen und kann zwischendurch auch mal zum Stillen nach Hause kommen.
      Gar nicht Zuhause sein, stelle ich mir auch schwer vor, vor allem, wenn man Vollzeit arbeitet. Aber genau das wundert mich ja auch immer so an den Männern, also, dass sie meist freiwillig das Feld räumen und keinen Gedanken an Elternzeit verschwenden....

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  5. Ja die Männer. Bei unserem Sohn haben wir auch 7/7 gemacht. Also 7 Monate ich zu Hause, 7 er. War nie ein Thema und er hat seine Auszeit von der Arbeitswelt genossen. In 7 Monaten Abwesenheit passiert nicht so viel, wenn die Firma stabil ist. Bei unserer kleinen Tochter wollte ich allerdings länger zu Hause bleiben und auch das war okay. Wir haben allerdings beide Glück in relativ großen Firmen zu arbeiten und nach 1 1/2 Jahren Abwesenheit ist es so, als wäre ich nie weg gewesen.
    LG
    Kerstin

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  6. Danke! Genau so empfinde ich auch. Ich habe im Bekanntenkreis aber gemerkt, man muss das als Frau auch wollen und einfordern. Außer stillen kann der Mann alles andere auch. Ich erwarte gerade mein 3. Kind, arbeite Vollzeit und bin Abteilungsleiterin. Ich liebe meine Kinder und gehe gern arbeiten. Zum Glück habe ich einen Mann der das mit trägt und einen nicht minder verantwortlichen Job hat. Ich wurde letztens gefragt wie ich das alles schaffe. Der wichtigste Punkt in meinen Augen ist der Partner, viele leben zwar als Familie, aber betreuungstechnisch sind sie alleinerziehend. Frauen fordert eure Männer!
    LG Jana

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  7. Mein Mann kann leider keine Elternzeit nehmen, er ist selbständig, hat eine Firma und ca. 20 Angestellte, da ist es nicht möglich in Elternzeit zu gehen.
    Zum Glück habe wir bis zur Firma 2 Minuten Fußweg, und so sehen sich Papa und Kind auch öfters und er kommt zu Essen immer nach Hause. Auch wenn ich mal was vor habe ohne Kind ist das kein Problem, der Papa kann mal von zu Hause aus Arbeiten und mit dem Kind spielen, oder sich auch mal einen Tag frei nehmen, sodass wir als Familie etwas zusammen unternehmen können und nicht nur an Wochenenden wo sowieso alles überfüllt ist. Wenn unser kleine Mann etwas älter ist kann er auch dem Papa bei der "Arbeit" helfen, wenn er mag

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